Branchengespräch Bauindustrie & Bauhandwerk

Kurzbericht vom 18. Juni 2015
Arbeitskräftebedarf von Unternehmen und öffentlich geförderte Beschäftigte – Matching durch Kooperation

Am siebten Branchengespräch „Bau“ nahmen von Unternehmensseite die axis project GmbH (weltweit agierende Spezialfirma für Oberflächensanierung), die B&O Gebäudetechnik GmbH & Co. KG (mittelständischer Dienstleister mit 50-jähriger Tradition) sowie das Happold Ingenieurbüro (internationales Bauingenieursunternehmen mit Niederlassung in Berlin) teil. Auch diesmal waren 13 Träger aus dem Landesprogramm Berliner Jobcoaching beteiligt: agens Arbeitsmarktservice gGmbH, arbli GmbH, BGI GmbH, BIQ gGmbH, CeWO GmbH, Die Wille gGmbH, GFBM mbH, pro futura Beschäftigungsförderung gGmbH, Schildkröte GmbH, Wendepunkt gGmbH, Steremat AFS GmbH und Zukunftswerkstatt der GFBM gGmbH. Darüber hinaus war erstmals auch das LernNetz Berlin-Brandenburg e.V. vertreten, welches Berlin weit die trägerübergreifende Qualifizierung der Jobcoaches im Landesprogramm organisiert.

Herr Detlef Bischur, Geschäftsführer der agens Arbeitsmarktservice gGmbH und Vorstandsmitglied des bvaa begrüßte die Teilnehmenden. Herr Ralph Döring, Netzwerkmanager des bvaa, stellte das Programm Berliner Jobcoaching vor und erläuterte das Projekt „Schnittstellen zur Wirtschaft“.

Auf Grundlage einer Präsentation der IHK Berlin referierte Herr Döring zu den aktuellen Entwicklungen und Trends in der regionalen Bauwirtschaft, unter besonderer Berücksichtigung des Arbeitskräfte- und Ausbildungsbedarfs. Wie in den meisten Branchen ist der mittel- und längerfristige Bedarf im Fachkräftebereich hoch und schon heute nicht mehr zu decken. In den Helferberufen gibt es jedoch aktuell ebenso wie auf absehbare Zeit einen deutlichen Überhang des Arbeitskräfteangebots. Dies erklärt zumindest teilweise, dass sich zum Branchengespräch nur wenige Unternehmen mit Personalbedarf einfanden. Mehrere Wege wurden aufgezeigt, um der Situation des Überangebots an schlecht Qualifizierten bei gleichzeitigem Fachkräftemangel zu begegnen: 1.  Aus- und Weiterbildung, 2. Reorganisation von Arbeitsprozessen, um Fachkräfte durch Helfer zu entlasten, 3. gezielte Zuwanderung.

Im anschließenden Roundtable-Gespräch erläuterten die Jobcoaching-Träger anhand einiger konkreter Beispiele, welche Kunden sie aktuell betreuen, bei denen auf unterschiedliche Weise an der Reintegration in den Arbeitsmarkt gearbeitet und ein Zugang zur Baubranche hergestellt werden kann.

Die drei Unternehmen zeigten sich auf der Suche nach einem breiten Spektrum an Fachpersonal: angefangen bei Maurern, Tischlern, Malern, Lackierern, Stukkateuren, Fliesenlegern Restauratoren, SHK-Monteuren, Lüftungsbauern über Servicetechniker, Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik bis hin zu Bauingenieuren, Architekten und Bauleitern (jeweils alle männlich oder weiblich). Aber auch Auszubildende in den genannten gewerblichen Berufen werden benötigt. Eines der Unternehmen bekundete Interesse an berufsfremden, aber handwerklich sehr geschickten und motivierten Arbeitskräften. Alle Altersgruppen kämen in Frage, sehr gerne Personen mit viel Erfahrung.

Da zwei der drei Unternehmen international tätig und zusammengesetzt sind, bekundeten sie besonderes Interesse an fortgeschrittenen Sprachkenntnisse, zumindest in Deutsch und Englisch. Die Bedeutung von Sprachkenntnissen in Verbindung mit den Themen Arbeitsmigration und Flüchtlinge stand von hier an im Mittelpunkt der frühabendlichen Debatte. Dabei zeigten sich die Anforderungen recht unterschiedlich je nach den konkreten Geschäftsfeldern und Produktionsbedingungen der Unternehmen. Dem einen genügen einigermaßen alltagsfähige Deutschkenntnisse, beim anderen geht es um gutes Verständnis technischer Anleitungen in Englisch oder von deutschen Normen, beim dritten muss mit Kollegen und Kunden fließend vom Deutschen ins Englische gewechselt werden können oder es kommen weitere Sprachen wir Französisch, Spanisch oder Russisch ins Spiel. Die anwesenden Unternehmensvertreter/innen berichteten von einigen eigenen Anstrengungen, ihre belegschaften beim Spracherwerb zu unterstützen. Einigkeit bestand darüber, dass Sprachkenntnisse von weiter zunehmender Bedeutung in der Arbeitswelt sind, dass Zugewanderte hier über wertvolle Ressourcen verfügen und dass vermehrt Anstrengungen zur erfolgreichen Integration von Zugewanderten, ob Flüchtlinge oder Arbeitsmigranten von Nöten sind.

Im letzten Gesprächsteil wurden noch einmal die ganz konkreten Möglichkeiten erörtert, mithilfe der Jobcoaches aus dem Berliner Landesprogramm die Personalbeschaffung der Unternehnmen und die Eingliederung von vordem Arbeitslosen effektiv zu unterstützen. Gleich mehrere Jobcoaches übergaben noch unmittelbar beim Branchengespräch Bewerbungsunterlagen oder Profile ihrer Kundinnen und Kunden an die Unternehmen. Wohlwollende Sichtung wurde ihnen zugesichert.