Branchengespräch Gesundheit & Pflege

Kurzbericht vom 23. April 2015

Arbeitskräftebedarf von Unternehmen und öffentlich geförderte Beschäftigte – Matching durch Kooperation

Am dritten Branchengespräch in der aktuellen Reihe des bvaa nahmen neun Unternehmen und 13 Jobcoachingträger teil. Von der AWO Gemeinnützige Pflegegesellschaft über das DRK Berlin Südost und Südwest, die Goldenherz GmbH, die Häusliche Hilfe GmbH, der Sozialstation Impuls bis zum Humanistischen Verband, der Volkssolidarität und der Residenz Zehlendorf waren sowohl kommerzielle als auch sozialwirtschaftliche Unternehmen des Gesundheitssektors, große, mittlere und kleine Arbeitgeber der ambulanten wie stationären Pflege vertreten.

Nachdem Frau Dr. Arndt vom bvaa-Vorstand die Teilnehmenden begrüßt und das Programm Berliner Jobcoaching vorgestellt hatte, erläuterte Herr Döring, Netzwerkmanager des bvaa, das Projekt „Schnittstellen zur Wirtschaft“. Im Anschluss an die Vorstellungsrunde gab er einen kurzen zahlenmäßigen Überblick über die Beschäftigungsstruktur, aktuelle Entwicklungen und Trends auf dem Arbeitsmarkt in der Gesundheits- und Pflegebranche. Deutlich wurde, dass die Branche aufgrund des demografischen Wandels bereits jetzt und perspektivisch über viele Jahre mit Fachkräfte- und zunehmend auch Helfermangel zu kämpfen hat bzw. haben wird.  

Branchengespräch Gesundheit & Pflege 2015

Die teilnehmenden Personalverantwortlichen der Gesundheits- und Pflegeunternehmen unterstrichen diese Situationsbeschreibung mit vielfältigen Beispielen aus der aktuellen Praxis in den Betrieben. Deutlich wurde Unzufriedenheit mit den zur Zeit sich vorstellenden Bewerber/innen ausgesprochen. Unzureichende Motivation, Fehleinschätzung der Arbeit und der eigenen Person und Arbeitsfähigkeit seien quasi an der Tagesordnung. Mehrere Bildungsdienstleister und Joboachingträger zeigten daraufhin auf, wie sie konkret in ihren Beschäftigungs- und Qualifizierungsangeboten arbeiten, um auch Personen mit anfänglich unzureichender Beschäftigungsfähigkeit z. T. über mehrere Monate aufzubauen, um den Unternehmen vorbereitetes Personal anbieten zu können. Dabei wiesen die Träger auf Hemmnisse in Form problematischer Zuweisungen seitens der Jobcenter und unzureichende Qualifizierungs- und Weiterbildungsförderung hin.

In der zweiten Hälfte des formellen Veranstaltungsteils, dem moderierten Roundtable-Gespräch, teilten die Unternehmen den Bildungsdienstleistern mit, wie wichtig es für sie ist, motivierte, zumindest grundlegend qualifizierte und insbesondere zeitlich flexible Arbeitskräfte zu rekrutieren. Die Jobcoaches zogen daraus den Schluss, den Unternehmen nur Teilnehmende vorzustellen, die in der Personalvorbereitung und –vorauswahl bereits ziemlich weit fortgeschritten sind.

Frau Pfeifer-Mellar stellte kurz das Modell der dualen Weiterbildung bei der Goldnetz gGmbH vor, eine Kombination aus Praktika in Betrieben und Schulungen beim Träger in einem vergleichbaren Rhythmus wie bei der dualen Ausbildung, nur von deutlich kürzerer Gesamtdauer. Im Anschluss sprach eine Reihe von Gesprächsbeteiligten von der hohen Bedeutung längerer Betriebspraktika für den Prozess der Personalvorbereitung und -auswahl. Sie betonten Notwendigkeit und Willen, diese in Kooperation von Unternehmen und Bildungsträger zu realisieren. Abschließend wiesen mehrere Jobcoaches noch einmal auf Ihre ganz konkrete Unterstützungsleistung sowohl für Ihre Klienten wie für die Unternehmen hin, mit der sie die Eingliederung in die Jobs befördern. Wie immer bei den Branchengesprächen gab es im Anschluss ein abendliches Buffet, bei dem Personalverantwortliche und Jobcoaches bzw. Trägervertreter/innen in kleineren Konstellationen ins informelle Gespräch kamen.