Branchengespräch Verarbeitende Industrie

Kurzbericht vom 04. Juni 2015
Arbeitskräftebedarf von Unternehmen und öffentlich geförderte Beschäftigte – Matching durch Kooperation

Zum sechsten Branchengespräch hatten sich vier Unternehmensvertreter und 14 Jobcoaching-Träger angemeldet. Leider waren dann kurzfristig drei Unternehmensvertreter verhindert. Der Personalleiter eines Halbleiterproduzent nahm jedoch sehr engagiert am  Branchengespräch teil. Von Seiten der Träger des Landes-programms Berliner Jobcoaching waren 13 beteiligt: die Unternehmensverbünde bildungsmarkt und pro futura, die gemeinnützigen Gesellschaften arbli, BIQ, BUS, Die Wille, GFBM, Goldnetz, Schildkröte, Wendepunkt und Zukunftswerkstatt der GFBM sowie Steremat AFS GmbH.

Corinna Boldt, Geschäftsführerin von „Die Wille“ und Vorstandsmitglied des bvaa begrüßte die Teilnehmenden. Ralph Döring, Netzwerkmanager des bvaa, stellte das Programm Berliner Jobcoaching vor und erläuterte das Projekt „Schnittstellen zur Wirtschaft“.

Silke Richter, Branchenkoordinatorin Industrie der IHK Berlin, referierte zu den aktuellen Entwicklungen und Zukunftstrends der verarbeitenden Industrie in der Region, unter besonderer Berücksichtigung des Arbeitskräfte- und Ausbildungsbedarfs.

Hier zeigten die Zahlen den massiven aktuellen und auch längerfristigen Bedarf auf den mittleren und hohen gewerblich-technischen Qualifikationsniveaus. Dieser ist regional bei weitem nicht mehr zu decken. Im kaufmännischen Bereich hingegen lässt sich die Nachfrage nach qualifizierter Arbeit gerade noch decken, während der Arbeitsmarkt für Helfer schon seit Jahren und auch in Zukunft von einem Angebotsüberhang geprägt sein wird. Diese Ausgangslage erklärt auch weitest gehend, warum sich zu diesem Branchengespräch nur ganz wenige Unternehmen mit Personalbedarf eingefunden hatten. Vor dem Hintergrund einer hochspezialisierten und -automatisierten Branche verdeutlichte Frau Richter die dringende Notwendigkeit zur Ausbildung und Weiterqualifizierung von Fachkräften. Zieht man allerdings die ausgesprochen kleinbetriebliche Grundstruktur der Berliner Industrie in Betracht (78% der Beschäftigung bei Unternehmen unter 10 Mitarbeitern), so stellt sich schnell die Frage nach Verbundausbildung und anderen kooperativen Ausbildungs-ansätzen.

Das Round-Table-Gespräch stand unter dem Zeichen des intensiven Austauschs der Jobcoaches mit dem Unternehmensvertreter und bot eingehende Informationen über den konkreten Bedarf und die Personalpolitik des Halbleiterproduzenten. Dank des offenen und klaren Kommunikationsstils des Personalverantwortlichen entwickelte sich ein spannender Austausch zwischen ihm, den Jobcoaching-Trägern und der IHK. Dabei wurden sowohl der unternehmensseitige Qualifikations- und Sozialkompetenzbedarf des Unternehmens als auch verschiedene Gruppen benachteiligter Beschäftiger und Arbeitssuchender – Ältere, Schwerbehin-derte, einfach Qualifizierte, durch familiäre Pflichten nur eingeschränkt Erwerbsfähige – sowie die möglichen Eingliederungshilfen von Seiten der Arbeitsagentur, der Jobcenter, des Programms Berliner Jobcoaching und seiner Träger intensiv erörtert. Es zeigte sich eine hohe Bereitschaft, auch sonst schwer zu vermittelnde Erwerbslose in die Personalauswahl einzubeziehen, aber auch die Begrenzung unternehmerischer sozialer Verantwortungsübernahme aufgrund des betriebswirtschaftlichen Rentabilitätszwangs.

Beim abschließenden Get Together  am abendlichen Buffet konnten einige der zuvor angerissenen Themen vertieft werden. Das unmittelbare Feedback von den Teilnehmenden aller Kategorien zeigte eine hohe Zufriedenheit mit dem Abend, sowohl unter inhaltlichen als auch persönlichen Kontaktaspekten.