„Wirtschaft trifft Jobcoaching“ Messe am 11. Sept. 2015 informiert Berliner Unternehmen

Kollaborativer Ansatz unterstützt Langzeitarbeitslose beim Übergang in den ersten Arbeitsmarkt

Auf der Messe „Arbeitskräfte für Berliner Unternehmen – Wirtschaft trifft Jobcoaching“ am 11.09.2015 in der Berliner ‚Kalkscheune‘ nutzten rund 100 UnternehmensvertreterInnen die Chance, das Angebot der Berliner Jobcoaches kennenzulernen, die – so der Staatssekretär für Arbeit, Boris Velter – „das Rückgrat“ der erfolgreichen Arbeitsmarktpolitik in Berlin bilden. Die Messe fand im Rahmen des Projekts „Stärkung der Schnittstellen Wirtschaft – Sozialwirtschaft“ des Berliner Verbandes für Arbeit und Ausbildung statt, das Jobcoaches unternehmensnah qualifiziert und den Austausch mit der Wirtschaft unterstützt.

 

„Früher gab es nicht viel Austausch zwischen Sozialwirtschaft und Unternehmen, jeder blieb in seinem eigenen Terrain“, erklärte Hans-Peter Eich, Vorstandsvorsitzender des bvaa, im Podiumsgespräch, das Teil des Messeprogramms war. Heute sei dies anders: Der Berliner Wirtschaft fehlten allein in diesem Jahr 27.000 Fachkräfte, was eine stärkere Zusammenarbeit erfordere. Der bvaa wolle diesen Prozess in Berlin weiter optimieren und seine Rolle bei der Vernetzung der Arbeitsmarktdienstleister mit der Wirtschaft weiter ausbauen.

Kollaborativer Ansatz unterstützt Langzeitarbeitslose beim Übergang in den ersten Arbeitsmarkt

Auf der Messe „Arbeitskräfte für Berliner Unternehmen – Wirtschaft trifft Jobcoaching“ am 11.09.2015 in der Berliner ‚Kalkscheune‘ nutzten rund 100 UnternehmensvertreterInnen die Chance, das Angebot der Berliner Jobcoaches kennenzulernen, die – so der Staatssekretär für Arbeit, Boris Velter – „das Rückgrat“ der erfolgreichen Arbeitsmarktpolitik in Berlin bilden. Die Messe fand im Rahmen des Projekts „Stärkung der Schnittstellen Wirtschaft – Sozialwirtschaft“ des Berliner Verbandes für Arbeit und Ausbildung statt, das Jobcoaches unternehmensnah qualifiziert und den Austausch mit der Wirtschaft unterstützt.

 

„Früher gab es nicht viel Austausch zwischen Sozialwirtschaft und Unternehmen, jeder blieb in seinem eigenen Terrain“, erklärte Hans-Peter Eich, Vorstandsvorsitzender des bvaa, im Podiumsgespräch, das Teil des Messeprogramms war. Heute sei dies anders: Der Berliner Wirtschaft fehlten allein in diesem Jahr 27.000 Fachkräfte, was eine stärkere Zusammenarbeit erfordere. Der bvaa wolle diesen Prozess in Berlin weiter optimieren und seine Rolle bei der Vernetzung der Arbeitsmarktdienstleister mit der Wirtschaft weiter ausbauen.

Die Berliner Jobcoaches als Türöffner zu Unternehmen

Schlüssel für die verstärkte Zusammenarbeit sind die Berliner Jobcoaches, die Langzeitarbeitslose beim Übergang von der öffentlich geförderten Beschäftigung in den ersten Arbeitsmarkt begleiten. Seit 2012 fördert das Land Berlin Jobcoaching im Rahmen des Programms BerlinArbeit – mit nachweisbarem Erfolg, wie der Staatssekretär für Arbeit, Boris Velter, in seiner Begrüßungsrede zur Messe deutlich machte: Durchschnittlich 17 % der Teilnehmenden fänden durch das Programm eine Arbeit – im Vergleich zu lediglich 9 % der Langzeitarbeitslosen, die zwar Beschäftigungsmaßnahmen, aber kein zusätzliches Coaching durchlaufen.

Mit dem Berliner Jobcoaching verfolge das Land Berlin eine „Doppelstrategie“, in dem das obligatorische System durch das freiwillige, motivierende und stimulierende System Jobcoaching ergänzt werde, erklärte Dr. Thomas Günther von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen. Auch Oliver Kurz, Fachbereichsleiter Marktentwicklung bei der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, hält Jobcoaching beim Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit für „essentiell“.

Ob eine Eingliederung gelingt oder nicht, hängt wesentlich von der Kompetenz der Jobcoaches ab. Auf der einen Seite ist sozialpädagogisches Gespür gefragt, doch auf der anderen sind die Jobcoaches nicht nur Berater, sondern auch Vermittler. In dieser Doppelrolle müssen sie auch die Perspektive der Unternehmen kennen: Welche Kompetenzen werden gefordert? Worauf kommt es den Unternehmen an? Hier greift das Projekt „Stärkung der Schnittstellen Wirtschaft – Sozialwirtschaft“ des bvaa, das eine wirtschaftsnahe Qualifizierung für Jobcoaches anbietet. Konkret heißt das: Die Jobcoaches erhalten Weiterbildungen, in denen sie lernen, worauf Wirtschaftsbetriebe bei der Personalakquise achten, wie sie Betriebe ansprechen und potentielle Arbeitgeber für ihre Kunden akquirieren können.

So profitieren die Unternehmen

Mit der Messe intensivierte das bvaa-Projekt den Austausch zwischen Jobcoaches und Unter-nehmen, der bereits im Rahmen von bisher sieben Branchengesprächen angeregt wurde. Dieses Angebot stößt bei den Berliner Unternehmen auf reges Interesse: Die Branchengespräche lockten bisher 65 Personal-verantwortliche  an den runden Tisch und zur Messe waren 100 UnternehmensvertreterInnen angemeldet.

Jochen Hinrichs, Leiter des Qualitätsmanagements bei der Siba security service GmbH hatte bereits am Branchengespräch „Transport, Logistik und Security“ teilgenommen und besuchte am Freitag die Messe. Ihm geht es darum, Kontakte zu knüpfen, da seine Firma dringend Personal benötigt. Gleichzeitig möchte er auch Rückmeldung geben und seine Sicht als Unternehmensvertreter deutlich machen. In seiner Bereitschaft, sich auch auf Bewerber einzulassen, die nicht dem Idealbild entsprechen, sieht er seine soziale Verantwortung als Unternehmer. Allerdings: „Man kann nicht ständig Gutmensch sein. Der Kunde verzeiht nicht.“ Die Qualität der Dienstleistung seines Unternehmens müsse gewährleistet bleiben. Auf die sogenannten 'alten Tugenden' könne er in seiner Branche daher nicht verzichten: Pünktlichkeit, ein ordentliches Erscheinungsbild, gutes Benehmen.

Thorsten Löffler, Referent für Arbeitsförderung/Recruiting bei der Gegenbauer Services GmbH konnte ebenfalls von dem durch den bvaa initiierten Austausch profitieren. Anlässlich eines Branchengesprächs lernte er Carola Birr, Jobcoach bei der agens Arbeitsmarktservice gGmbH, kennen. Frau Birr sei auf ihn zugekommen. In einem „intensiven und offenen“ Gespräch hätten beide ihre Standpunkte deutlich gemacht. Das Ergebnis des Austauschs kann sich sehen lassen. Die Gegenbauer GmbH beschäftigt gerade einen von Frau Birr vermittelten Praktikanten, der aller Voraussicht nach auf einen festen Arbeitsplatz übernommen wird. „Frau Birr hat einfach ein super Gespür dafür, wer zu uns passen könnte“, fasst Thorsten Löffler seine Erfahrung mit ihr zusammen.

Jobcoaching als „Eintrittskarte in Unternehmen“

Was das Jobcoaching auszeichne, so Dr. Thomas Günther von der Senatsverwaltung für Arbeit, sei die große Nähe zu den Coachees und die Flexibilität des Angebots. Er hoffe, dass „künftig bereits die Teilnahme am Jobcoaching als ‚Eintrittskarte in Unternehmen‘ gilt“.

Dr. Constantin Terton, Bereichsleiter Wirtschaftspolitik der IHK Berlin, bestätigte Günthers These, indem er die zunehmende Bedeutung von Coaching betonte, das dazu beitragen könne, Selbstzweifel zu beseitigen: „Unternehmen schauen heute viel stärker als früher auf die Person an sich.“ Brüche seien nicht mehr so schlimm, es gehe vielmehr darum, wie motiviert die Person sei. Schlüssel für eine erfolgreiche Eingliederung sei eine individuelle Förderung, erklärte Hans Peter Eich. Hierin sieht er die Herausforderung der Zukunft: „Ein dickes Brett zwar, aber eines, das wir bohren müssen“.

Arbeitsintegration von Flüchtlingen als Herausforderung und Chance

Eine weitere große Aufgabe – und Chance – wird in der Qualifizierung von Flüchtlingen gesehen. Vom Bund werden zusätzliche Mittel erwartet und Dr. Thomas Günther ist „zuversichtlich“, dass ein Teil dieser Gelder auch im Rahmen des Jobcoachings für diese Zielgruppe eingesetzt werde.

Dr. Terton wies allerdings darauf hin, dass keine Verdrängungseffekte entstehen sollten, und dass das Instrument Jobcoaching nicht überfrachtet werden dürfe. Letztendlich, so Oliver Kurz von der Regional-direktion Berlin-Brandenburg der Arbeitsagentur, hätten beide Zielgruppen – Flüchtlinge und Langzeit-arbeitslose – das gleiche Anliegen. Beide wollen eine berufliche Perspektive finden. Ein Grund mehr also, sich von der 'Zielgruppen-Denke' zu verabschieden und auf individuelle Förderung zu setzen. Auch bei der Herausforderung, den die Integration der Flüchtlinge darstellt, wird ein kollaborativer Ansatz wohl förderlich sein. Gut, dass die Berliner Akteure hier bereits auf Erfahrungen und Netzwerke zurückgreifen können.

Als Fazit kann daher festgehalten werden: Das Berliner Jobcoaching ist zu einem wichtigen Brückenelement der regionalen Arbeitsmarktpolitik geworden, welches auch in den kommenden Jahren ausgebaut werden wird.